Exhibition:
Hélio Oiticica im Palmengarten
Performance programm in Penetrável PN 14, MMK, Frankfurt, 2013

Performed work:
Composition T, IV, 2013

Related performance / exhibition:
Composition T, V, 2013
Swan Song, Theater Hebbel am Ufer (HAU1), Berlin, 2013

Deutsch

In ihrer Performance aus der Reihe Composition T nutzte Sunah Choi die Wände des Penetrável PN 14 als Projektionsflächen, auf denen bewegte und unbewegte Bildelemente aus konstruierten und natürlichen Materialien aufeinandertrafen. So interagierten lebende Insekten mit gesammelten Fundstücken auf der Arbeitsfläche eines Overheadprojektors. Bunte Kunststoff- und Zuckerperlen wurden durch die kriechenden und hüpfenden Steppengrillen hin- und herbewegt. Choi selbst arrangierte und variierte die Bilder aktiv durch das Hinzutun oder Wegnehmen von Hölzern, Blättern, geometrischen Grundformen und Projektionsfolien an einem zweiten Overheadprojektor, sodass eine choreographierte Abfolge von Schattenbildern entstand. Das Material erzählt dabei auch immer etwas über den Ort, an dem die Künstlerin gerade arbeitet. Sie ist eine Sammlerin von Formen und Strukturen im Stadtraum. Neben den Fundstücken und ornamentalen Mustern verwendete sie in Composition T auch Naturstudien der Frankfurter Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647–1717). Darüber hinaus ließ Choi ein eigens erstelltes Dia-Archiv mittels Diaprojektor sichtbar werden, das fotografierte arrangierte Objekte umfasst, die an die Arbeiten László Moholy-Nagys (1895–1946) erinnern: geometrische Grundformen, Licht- und Schattenspiele, aus der Tradition des Origami stammendes gefaltetes Papier, drapierte Seile, Spiegelscherben und Aufnahmen des Universums. In der Abenddämmerung des Palmengartens fand durch die Orchestrierung Chois ein stimmungsvolles Licht- und Schattenballett der Dinge unter freiem Himmel statt. Auch Hélio Oiticia schuf mit seinen Cosmococa-Installationen, bestehend aus Diaprojektionen und einem Soundtrack sowie wahlweise Hängematten, Sitzkissen, Matratzen oder auch Schwimmbecken, be- sondere Orte der Ruhe und Sinneserfahrung.
Das Komponieren, Zusammenstellen und Arrangieren von Beziehungen und Elementen ist ein Hauptmerkmal von Chois Arbeit. Indem sie Objekte in projizierte Bilder auflöst, verdichtet und überlagert, erforscht sie die ästhetische Qualität von Natur- und Alltagsgegenständen. Ausgangspunkt für Chois Materialrecherche ist ihre Auseinandersetzung mit kulturellen Aneignungsprozessen. In ihren Videos, Performances, Installationen, Fotografien und Zeichnungen hinterfragt die Künstlerin Vorstellungen und traditionelle Wahrnehmungsmuster, im Besonderen, welche Bilder Kulturen im kollektiven Gedächtnis voneinander gespeichert haben. Dabei gibt Choi keine bestimmte Lesart vor. So ließ Choi beispielsweise Muster der jahrhundertealten asiatischen Wohnkultur mit der Ästhetik des Bauhauses und des Modernismus kollidieren. In ihren Studien untersucht Choi das Wesen kultureller Identifikationsmerkmale, Natur sowie Technologie und löst ästhetische, formale und inhaltliche Grenzen auf.

Miriam Bettin / Marenka Krasomil

Der Text von Miriam Bettin / Marenka Krasomil wurde geschrieben für
Performance programm in Penetrável PN 14, Hélio Oiticica im Palmengarten, MMK, Frankfurt, Germany, 31. 08. 2013